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Vendor vs. Seller Account - ein Vergleich

Vor einiger Zeit noch konnte man davon ausgehen, dass ein Hersteller, der seine Produkte an Amazon lieferte, dies über ein "Vendor"-Konto bei Amazon tat, während "Seller"-Konten Händlern vorbehalten waren.

 

Inzwischen aber denken auch immer mehr Hersteller darüber nach, ihre Produkte als "Seller" im eigenen Namen und auf eigene Rechnung zu verkaufen. Warum ist das so, und welche Vor- und Nachteile gibt es bei den beiden Modellen?

 

Für Hersteller ist die Nutzung eines Vendor-Accounts zunächst naheliegend, bildet dieser doch die herkömmliche Lieferkette ab: Der Hersteller liefert viele Produkte in einer Sendung an den bestellenden Händler, der wiederum an den so genannten Endverbraucher weiterverkauft. Der Hersteller schreibt somit allein an den Händler (hier: Amazon) Rechnungen, und Amazon übernimmt die kleinteiligen Beziehungen mit Privatkunden, lagert Produkte, verschickt kleine Pakete, schreibt Rechnungen und kümmert sich um die Zahlungsabwicklung.

 

Doch einige Hersteller, kleine, mittlere oder große, erscheinen unzufrieden mit ihrem Amazon-Tagesgeschäft unter Vendor-Bedingungen. Hier eine kleine Auswahl vorkommender Probleme, von denen uns Hersteller berichten:

 

1. Ungünstige Konditionen ohne echte Aussicht auf Nachbesserung

2. Erheblicher Zeitdruck bei Bestellabläufen aufgrund enger Lieferfenster

3. Fehlmengen bei der Anlieferung

4. Retourenaufwand und Retourenqualität

5. Fehlende Transparenz bei Geschäftsabläufen

6. Unsicherheit über Profitabilität

7. Keine festen Ansprechpartner bei wichtigen Problemen

8. Preisgestaltung 

 

Erschwerend kommt die Erwartungshaltung der meisten Hersteller in Bezug auf Handelsbeziehungen im Allgemeinen, und die damit zusammenhängende Einstellung ihres Personals hinzu. Es ist sehr wichtig sich bewusst zu sein, dass Amazon weder in der Kommunikation, noch in den meisten anderen Geschäftsprozessen wie ein Warenhändler funktioniert, mit dem man verhandelt, sondern ganz überwiegend als straff automatisierter Logistikkonzern mit schlichtweg nicht verhandelbaren Regeln. Amazon will auch gar kein Händler sein und ist vom einzelnen Lieferanten auch nicht abhängig. 

 

Daten ersetzen daher regelmäßig die gewohnte Abwägung zwischen Menschen, und Kompromisse sind sehr selten. Für die meisten Abteilungen wie Vertrieb, Versand oder Buchhaltung ist das oftmals schwer zu verdauen und belastet die Effizienz der Abläufe.

 

Mit der Einführung von Amazon FBA (Fulfillment by Amazon) hat sich jedoch einiges geändert. Amazon stellt hier seine einzigartigen logistischen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis und bietet Lieferanten nie dagewesene Möglichkeiten. Für eine vertretbare Provision und geringe Versandkosten lässt sich das eigene Sortiment innerhalb kürzester Zeit zum Verkauf an Zig Millionen Amazon-Kunden bereitstellen.

 

Vorteile, nicht zuletzt auch im Unterschied zum Vendor-Modell, sind beispielsweise folgende:

 

1. Transparente, einfache Gewinnkalkulation

2. Faire und langfristig gültige Konditionen

3. Autonome Preisgestaltung

4. Prime-Lieferservice im Rahmen von FBA

5. Automatisierbare Rechnungserstellung

6. Forderungsmanagement läuft über Amazon

7. DATEV-kompatible Transaktionsberichte 

 

Zusammengefasst kann auch ein Hersteller dank Amazon FBA innerhalb weniger Wochen ein komplettes Shopsystem mit einer überragenden Reichweite, Amazon-Logistik und zuverlässig hoher Servicequalität auf die Beine stellen.

 

Die Argumente scheinen also zunächst klar für Amazon FBA und damit für einen Seller-Account zu sprechen. Dennoch gibt es auch Gründe, die dagegen sprechen könnten, wie etwa:

 

1. Der Hersteller muss, oder sollte zumindest Fragen und Reklamationen von Kunden beantworten

2. Der Hersteller tritt u.U. offen in Konkurrenz zu eigenen Händlern

3. Produkte von geringerem Wert sind oft nicht profitabel zu vermarkten

4. Der eigene Lagerbestand muss aktiv gemanaged werden

5. Der Umstieg vom Vendor-Account auf einen Seller-Account bedeutet Veränderung und damit internen Widerstand

 

Letzten Endes muss jeder Hersteller für sich selbst entscheiden, was besser zu seiner Struktur passt. Ohne Zweifel kann man resümieren, dass das Seller-Modell wesentlich mehr Flexibilität bietet, man als Hersteller jedoch ebenso die Voraussetzungen im Unternehmen schaffen muss, wenn man selbst de facto als Händler auftritt.

 

Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrer individuellen Entscheidungsfindung und übernehmen für Sie Aufgaben bei der konkreten Umsetzung sowie im Tagesgeschäft.